Kritik

Premierenkritik MORDSGEDÄCHTNIS

 

Nichts trügt so wie Erinnerung

 ...Man mache sich als Zuschauer keine falschen Vorstellungen über das Erwartbare. Nein, "Mordsgedächtnis" ("Murder in Mind") ist alles andere als eine Komödie. Es ist ein Drei-Personen-Stück, das unerbittlich in die Tiefe geht, ein ziemlich heftiger Psychothriller, der in Bereiche vordringt, in denen die Realität der Bühne nur noch einen untergeordneten Platz hat...

 

Die Indizien scheinen eindeutig zu sein, und Caroline würde sich mit dem Vorwurf und der Schuld wohl auch abfinden, wenn da nicht eines wäre: Sie kann sich an die Vorgänge, die zu dem Mord führten, und der Tat selber überhaupt nicht mehr erinnern. Sie kann nicht sagen: "Ja, ich war es", aber eben auch nicht: "Nein, ich war es nicht." Deshalb zieht sie den Polizeipsychologen Dr. Mark Ellis (Georg Schmiechen) zu Rate, der sie mittels Hypnose in die Vergangenheit und insbesondere in die Tatzeit zurückversetzen soll.

 

Der Zuschauer wird Weggefährte

 Mehr an Information verbietet sich, weil "Mordsgedächtnis" ein hervorragend gebautes Stück ist, das zwar in der Realität beginnt, aber sehr schnell in Bereiche des Un- und Unterbewussten gerät und Entwicklungen nimmt, die der Zuschauer nicht vorausahnen kann. Er muss sich darauf einlassen, selbst zum Weggefährten werden. Da kann er nicht der wissende Begleiter sein.

 

Man muss aber auch feststellen, dass die Spannung deshalb durchgehend so hoch ist, weil das Stück sensationell gut inszeniert und gespielt ist...Natürlich ist der Beginn noch erwartbar, als sich Psychologe und Patientin zum ersten Mal begegnen. Da gibt es Geplänkel und Irritiationen, da geht's um Duftmarken. Da will Caroline Walker klar machen, dass Mark Ellis bei ihr kein leichtes Spiel haben wird. Und der will ihr bedeuten, dass ihn das nicht weiter beeindruckt.

 

Kompromissloses Rollenspiel

Natürlich gibt es eine Pause: die Pause. Und die brauchen auch alle Beteiligten. Von der Anlage her könnte man das Stück auch durchspielen, aber nicht, wenn man es so spielt wie das Trio im Intimen Theater. Denn die drei begeben sich absolut kompromisslos in ihre Rollen, gehen wirklich bis an die Grenzen der Darstellbarkeit. Vor allem Johanna Maria Seitz spielt mit äußerster Expressivität. Sie fürchtet die Hypnose, aber sie weiß, dass sie sie braucht. Sie kämpft um ihre Identität, und als sie in die Realität zurückfindet, weiß sie, dass sie abhängig geworden ist. Sie spielt die Trance nicht, sondern sie zeigt sie, hat jede Distanz aufgegeben. Und wenn es nicht so banal wäre, würde man fragen, ob sie nicht tatsächlich hypnotisiert ist.

 

Beklemmender Distanzverlust

...Plausibel sind alle Erinnerungsmodelle, an die Caroline sich zu erinnern glaubt. Oder ist es nur Dr. Ellis, der sie dahin steuert? Weil es ihm letztlich gar nicht um die Frage geht, ob Caroline ihren Mann ermordet hat? Am Ende bleibt ein seelisches Trümmerfeld. Der Rest ist Schweigen.

 

Und das wirklich. Selten hat man das Publikum so atemlos still erlebt. Und selten hat es hinterher atemlos beeindruckt so lange applaudiert.

 

Main-Post, 14.09.2016

PRESSESTIMMEN TSCHICK

Man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange

 "Die Szene beeindruckt mich, das Bild einer weitläufigen Menschenmülldeponie direkt vor meinem Auge. Zurück auf der Bühne erscheint Isa (Johanna Maria Seitz), drahtig, wild, schön und ebenso überzeugend gespielt wie die beiden Jungs. Nach dem Kennenlernen und Tschicks zögerlichem Okay steigt Isa in Auto und Rhythmus mit ein. Zu dritt stampfen sie über die Bühne. Weiter geht die Fahrt! Tschick ist eine clevere Inszenierung des Romans von Wolfgang Herrndorf, die sich nicht auf der Genialität der Vorlage ausruht, sondern durch kleine, aber feine Uminterpretationen wie die der menschlichen Mülldeponie einen neuen Imaginationsraum schafft." Vollständiger Artikel hier

 

Mit Tschick und einem Uralt-Lada ins Wunderland der Fantasien

 "Johanna Maria Seitz führt sich als schwarze Müllkrähe mit einer hundsordinären Schimpfkanonade ein und rattert die sexuelle Beleidigungsskala rauf und runter. Sie rangelt sich in die Herzen der Burschen und schmeichelt sich mit einem wunderbar zarten Kuss-Kurs in Maiks Herz." Vollständiger Artikel hier

 

Ein sommerliches Roadmovie

 "Johanna Maria Seitz komplettierte als sympathisch verwahrloste Isa die junge Reisetruppe. Isa war es auch, die das Beziehungsthema Freundschaft, erste Liebe und die damit verbundene Orientierung ins Rollen brachte." Vollständiger Artikel hier

 

Sie spüren den Rhythmus der Freiheit

 "Denn bis auf die Begegnung mit der älteren, auch in sexuellen Dingen erfahreneren Isa, von Johanna Maria Seitz mit großem Körpereinsatz gespielt." Vollständiger Artikel hier

Kritik NORWAY.TODAY

 

Man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange

 "Der Erfolg dieses Zwei-Personen Stückes steht und fällt natürlich mit den Darstellern. Johanna Seitz formt mit viel Sinn für Details die Julie zu einer glaubhaften Figur vermeintlicher Unentschlossenheit, mit Blicken, mit Handbewegungen, mit rätselhaftem Lächeln, mit rauer, aber auch ruhiger Sprachführung. Carsten Stier (er hat auch ein Theologie-Studium abgeschlossen) überzeugt immer dann, wenn er zu zweifeln beginnt, an sich, an ihr, an ihrem gemeinsamen Vorhaben." Vollständiger Artikel hier

 

Man kann zwar nicht ewig die Luft anhalten. Aber doch ziemlich lange

"Brillant und überzeugend sind Johanna Maria Seitz und Carsten Stier in ihren Rollen. Durch ihre schauspielerischen Leistungen ging das Stück und die Thematik trotz mancher lustiger Dialoge und Lacher im Publikum tief unter die Haut."" Vollständiger Artikel hier